Horst Bredekamp: Hat die Gegenwart eine Zukunft?

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Prof. Dr. Horst Bredekamp | Foto: Detlef Bluhm

In seinem beeindruckenden und detailreichen Vortrag wies Prof. Dr. Horst Bredekamp u.a. darauf hin, dass durch die technologischen Eigenschaften des Internet die Gefahr des Verlusts eingestellter Inhalte jeglicher Art drohe, die sich teilweise durch ihre Überführung in neue Programme zudem verändern können. Bredekamp ist kein Bilderstürmer, er war einer der ersten, die sich einen Computer anschafften. Es sprach also jemand zu uns, der keine kulturpessimischen Hut aufhatte, sondern genau wusste, wovon er redete und wo die Gefahren zu verorten sind. Es ist gerade seine grundsätzlich empathische Haltung zur Digitalisierung, die seinen mahnenden Worten Gewicht verleiht.

Nach seinem Vortrag gabe es eine lange Diskussion, in der er viele Fragen beantwortete, manche aber offen lassen musste.

Sommer-Plaisir in Schwerin

Am 30. August hat sich der BBC nach Schwerin zu seinem sommerlichen Ausflug aufgemacht, der in diesem Jahr nach Schwerin führte. Nach einer Führung durch die Galerie Alte & Neue Meister im Staatlichen Museum Schwerin ging es zum Mittagessen ins Schweriner Schloß.

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Dieses schöne Bild ist übrigens kein Gemälde, sondern einfach ein Blick auf den Schweriner See im Schloßgarten. Eine Stellwand mit Rahmen nährt nur die Illusion, es handele sich hier um ein naturalistisches Gemälde. Im Schlossrestaurant wartete ein sehr schön gedeckter (reservierter) Tisch auf uns, an dem wir uns erwartungsvoll niederließen.

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Anschließend wurden wir sehr sachkundig durch die historischen Räume des Schlosses geführt, wobei der Prunksaal seine Wirkung nicht verfehlte.

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Danach begab man sich auf eine anderhalbstündige Bootsfahrt über den Schweriner See – bei schönstem Sonnenschein.

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Hier die Rückansicht des Schlosses vom Boot aus gesehen:

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Nach einem abschließenden Rundgang durch Nebengassen der Schweriner Altstadt ging es mit dem Zug wieder zurück nach Berlin.

Jürgen Boos: In 60 Minuten um die Welt

Jürgen Boos | Foto: Detlef Bluhm

Jürgen Boos | Foto: Detlef Bluhm

In seinem gut einstündigen Vortrag nahm Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, die Mitglieder des BBC im gut besuchten Konferenzraum des Aufbau-Hauses lebendig plaudernd mit auf eine Reise um die Welt. Jürgen Boos, der gut ein Drittel des Jahres unterwegs ist, berichtete von seinen Beobachtungen in der internationalen Welt des Buches, die hier nur stichwortartig wiedergegeben werden können.

In São Paulo, der größten Stadt Brasiliens, ist ihm beispielsweise aufgefallen, dass sich einige Buchhandlungen zu Kulturzentren verwandelt haben. Neben Lesungen und Signierstunden würden dort in eigenen Räumen Musikveranstaltungen mit bis zu 400 Gästen stattfinden. Argentinien ist in Lateinamerika das führende Buchland. Fast jedes Kind besucht die Buchmesse in der Hauptstadt Buenos Aires. Aus Sicht der Frankfurter Buchmesse ist jedoch Südostasien der stärkste Wachstumsmarkt für Bücher. Die Ausstellerzahlen der Buchmesse aus dieser Region steigen, während die aus China stagnieren. Interessant in den skandinavischen Ländern ist die Tatsache, dass Amazon dort so gut wie keine Rolle spielt. Eigene Plattformen haben die Expansion des größten Kaufhauses der Welt in diese Region bisher verhindern können. Und in England agiert die britische Mediengruppe Pearson als weltweit größter Medienanbieter im Bildungsbereich mit dem Motto: Wir verkaufen keine Bücher, sondern Lösungen. Diese kundenorientierte Haltung hat sich für das Unternehmen ausgezahlt.

In Bezug auf die Digitalisierung der Branche beobachtet Jürgen Boos weltweit eine Trendwende hin zum gedruckten Buch. In vielen Ländern der Welt wird der Herstellung und dem Vertrieb des gedruckten Buches inzwischen wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet, so dass Jürgen Boos sogar vom Trend zu einem postdigitalen Zeitalter sprach.

Sein unglaublich facettenreicher Vortrag führte zu vielen Fragen und einer langen und regen Diskussion, die nach dem Ende der Veranstaltung im kleinen Kreis weitergeführt wurde.

Während der Diskussion | Foto: Detlef Bluhm

Während der Diskussion | Foto: Detlef Bluhm

Poetics and Politics of Data

Zum Themenjahr »Zukunft« des BBC passt eine Ausstellung, die derzeit (und noch bis zum 30. August 2015) im Haus der elektronischen Künste Basel gezeigt wird. Eine Rezension dieser Ausstellung und zahlreiche Links dazu sind auf dem Blog BookBytes zu finden.

Hier einige Fotos aus der Ausstellung:

Christopher Baker: Hello World! | Foto: Detlef Bluhm

Christopher Baker: Hello World! | Foto: Detlef Bluhm

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Marc Lee: Pic-me | Foto: Detlef Bluhm

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RYBN: ADM8 | Foto: Detlef Bluhm

Ellie Harrison: Timelines| Foto: Detlef Bluhm

Ellie Harrison: Timelines| Foto: Detlef Bluhm

Und dies sind einige Twitterfeeds zu dem Projekt All The Minutes von MONIKER:

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Der Katalog zur Ausstellung mit zahlreichen Abblidungen und Essays ist im Christoph Merian Verlag erschienen:

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Hans Hütt kündigt für die nächste Finanzierungsrunde der Krautreporter die Einführung eines Genossenschaftsmodells an

Hans Hütt | Foto: Detlef Bluhm

Hans Hütt | Foto: Detlef Bluhm

In einem funkelnden Vortrag voller intelligenter Volten überraschte Hans Hütt vor dem Berliner Buchhändler Club am gestrigen Abend seine Zuhörer zunächst mit der Tatsache, dass die meinungsbildenden überregionalen Zeitungen, also die SZ, FAZ, Welt, taz und ND usw., mit ihren Verkaufsauflagen (Abos und Einzelverkauf) an einem Werktag zusammen nur noch weniger als 1% der Bevölkerung erreichen.

Unter anderem diese Situation, die der Digitalisierung des Medienmarktes geschuldet ist, führte zu der Idee eines durch Crowdfunding finanzierten und werbe- und gebührenfreien journalistischen Angebotes im Netz durch die Krautreporter, das vor nunmehr einem Jahr gestartet ist. Durch das Crowdfundig wurden zwar € 900.000,- von 15.000 Abonnenten eingenommen, die dafür je € 60,- gezahlt haben, im Juni 2015 muss aber zur weiteren Finanzierung des journalistischen Angebots eine zweite Finanzierungsrunde gestartet werden. Hier soll eine Doppelstrategie erfolgen. Einerseits wird den bisherigen Abonnenten angeboten, ihr Abo um ein weiteres Jahr zu verlängern, andererseits soll die bisherige Unternehmergesellschaft in eine Genossenschaft umgewandelt werden.

 

Foto: Detlef Bluhm

Foto: Detlef Bluhm

Der facettenreiche Vortrag von Hans Hütt drehte sich auch um die Frage nach neuen Formen der Darbietung journalistischer Inhalte. Unser Referent verwies dazu auf seine Artikelserie für die Krautreporter »Kynästhesie: Eine Graphic Novel als Anthrolologie des Alltags«, die komplett hier zu lesen ist. Er vermisse den Mut (und die Kreativität?) anderer JournalistInnen, ähnlich »neue« Formate bei den Krautreportern zu publizieren.

Auf die aktuelle Entwicklung bei Facebook eingehend, dort nun auch journalistische Inhalte einzuspielen, verwies Hans Hütt mehrfach auf den jüngsten Blogpost von Stefan Schulz, auf den hier auch verlinkt wird: »Was Facebook will?«

Im Anschluss an seinen Vortrag ergab sich eine lange Diskussion und danach lange Gespräche, die weit über das Vortragsthema hinausreichten.

 

Ein Roman aus Emojis

Heutzutage kennt sie fast jeder, die kleinen Bildzeichen oder Piktogramme oder Symbole oder Smileys, die längst nicht allein Gefühle ausdrücken. Dies ist der weltweit wohl verbreitetste Star dieser Zeichen:

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Der in Deutschland nur wenigen bekannte chinesische Künstler Xu Bing, bisher jedenfalls existiert auf der deutschen Wikipedia noch kein Eintrag, hat fast zehn Jahre, von 2003 bis 2012, an einem Roman gearbeitet, der 2013 vom Massachusets Museum of Contenporary Arts in Kooperation mit dem Massachusets Institute of Technology publiziert wurde und nur aus Emojis besteht – so heißen diese kleinen Zeichen. Und dies ist das Inhaltsverzeichnis des Romans:

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Das erste Kapitel des Romans beginnt so – und es ist ziemlich einfach, den Inhalt zu verstehen:

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Und so geht es weiter (Ein Klick auf die Abbildung führt zu einer vergrößerten Ansicht):

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Das ist das Cover des Buches:

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Ausführlichere Informationen über Xu Bing und seinen Roman Book from the Ground sind hier zu finden.

Vorschau auf den Clubabend im Mai 2015

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Hans Hütt

Im Frühjahr 2014 sorgte das Projekt »Krautreporter« erst auf der re:publica und kurz darauf in der deutschen Medienlandschaft für Furore. Innerhalb eines Monats wollte ein Team von 28 Journalisten durch Crowdfundig € 900.000,- für ein Online-Magazin aufbringen, das sich vorgenommen hatte, Geschichten hinter den Nachrichten zu erzählen. Am letzten Tag der Finanzierungsphase war das Ziel erreicht und sie konnten an den Start gehen. »Kein deutsches Crowdfunding-Projekt dürfte medial größere Aufmerksamkeit bekommen haben« meldete anschließend der Spiegel. Seitdem gehören die Hintergrundberichte der »Krautreporter« zum Besten, was der Online-Journalismus zu bieten hat – sie brauchen den Vergleich mit den »Dritten Seiten« der überregionalen Printmedien nicht zu scheuen.

Der freie Journalist und Blogger Hans Hütt, 2014 mit dem Michael-Althen-Preis der FAZ ausgezeichnet, wird über die Geschichte, Absichten und vor allem die Perspektiven dieses in Deutschland singulären Projekts berichten.

Unser Tagungsort führt mit seinem Art-Deco-Ambiente auf eine Zeitreise und schafft so eine schillernde Verbindung zwischen der avantgardistischen Formensprache des frühen 20. Jahrhunderts und den journalistischen Intentionen der digitalen Entrepreneurs unserer Zeit.

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Nähere Informationen zu den Clubabenden des BBC sind unter dem Reiter Clubjahr 2015/2016 zu finden.

C++ sollte an den Schulen unterrichtet werden

Foto: Detlef Bluhm

Christoph Keese | Foto: Detlef Bluhm

Christoph Keese, Executive Vice President der Axel Springer SE und dort für den Umbau des Unternehmens in einen digitalen Medienkonzern zuständig, eröffnete das Verbandsjahr 2015/2016 des BBC mit einem Vortrag über das Silicon Valley, in dem er 2013 ein halbes Jahr mit seiner Familie und einigen Managern der Führungsriege des Konzerns gelebt hat. Keese konzentrierte sich in seinem Vortrag auf vier Beobachtungen, die er im reichsten Tal der Welt gemacht hat. Erstens sind ausgerechnet die Protagonisten der Unternehmen, die die digitale Kommunikation erfunden haben, kaum per Telefon, Mails oder soziale Medien zu erreichen, sondern so gut wie ausschließlich über persönliche Kontakte. Zweitens zeichnen sich Startups u.a. dadurch aus, dass sie ihre Geschäftsideen mit vielen anderen, auch konkurrierenden Unternehmen offen austauschen. Drittens werden Startups im Silicon Valley in einer in Deutschland fast unvorstellbaren Geschwindigkeit gegründet. Zwischen der ersten Idee und dem Launch des Produkts liegen oft nur sechs Wochen. Und viertens steht in Kalifornien ein Wagniskapital für Startups in Höhe von jährlich etwa 70 Milliarden Dollar zur Verfügung. In Deutschland sind es gerade 700 Millionen Euro. Keese hat in diesem Zusammenhang auch erlebt, dass jungen Unternehmensgründern mit etwas Glück innerhalb weniger Tage fünf- und sogar sechstellige Summen zur Unternehmensgründung zur Verfügung gestellt werden.

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Der Berliner Buchhändler Club im Berliner Büro des Börsenvereins | Foto: Detlef Bluhm

Auf die Frage aus dem Publikum, welche Vorschläge er zur Modernisierung des Bildungsystems in Deutschland machen würde, antwortete Keese zunächst grundsätzlich, dass er seinen Kindern die Möglichkeit geben möchte, in der zukünftigen Digitalökonomie zu den Produzenten zu gehören und nicht lediglich zu den Konsumenten. Das bedeutet u.a., dass an den Schulen die Programmiersprache C++ unterrichtet werden sollte. Auf der Welt sprechen mehr Menschen diese Programmiersprache als beispielsweise Französisch oder Deutsch. Es gebe etwa 100 Millionen Menschen auf der Welt, die die deutsche Sprache beherrschen, sagte Keese, aber über 500 Millionen, die C++ programmieren können. Deshalb müssen Kinder lernen, Computer selber programmieren zu können.

Christoph Keese hat über seine Erfahrungen und Bewertungen seiner Zeit im Silicon Valley im Knaus Verlag ein gleichnamiges und ungemein gut lesbares Buch veröffentlicht, dass hier mit Nachdruck empfohlen werden soll:

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Vorschau auf den Clubabend im April 2015

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Christoph Keese, Executive Vice President der Axel Springer SE und dort vor allem für das Digitalgeschäft zuständig, wird am 8. April 2015 über seine Erfahrungen im Silicon Valley erzählen, in dem er 2013 ein halbes Jahr gelebt hat. Äußerst informativ ist sein Bericht über diese Zeit, den er 2014 als Buch unter dem Titel Silicon Valley – Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt im Knaus Verlag publiziert hat. Interessenten aus der Buchbranche an seinem Vortrag im BBC melden sich bitte unter mail@detlefbluhm.de

Nähere Informationen zu den Clubabenden des BBC sind unter dem Reiter Clubjahr 2015/2016 zu finden.

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Hauptversammlung beendet das Clubjahr 2014/2015

Turnusgemäß endete das Clubjahr 2014/2015 am 9. März mit der Verabschiedung des Vorsitzenden Jens Kreibaum und der Wahl von Detlef Bluhm zum Vorsitzenden im Vereinsjahr 2015/2016. Dr. Dirk Palm wurde zum zweiten Vorsitzenden und damit zum designierten Vorsitzenden für das Vereinsjahr 2016/2017 gewählt.

Dr. Kurt Lubasch dankte Jens Kreibaum im Namen aller Mitglieder mit einer launigen Rede für die Programmarbeit im vergangenen Jahr und überreichte eine Flasche Wein.

Jens Kreibaum (links) + Dr. Kurt Lubasch

Jens Kreibaum (links) + Dr. Kurt Lubasch

Auch der langjährige Schriftführer des BBC, Hans Kleßinger wurde anläßlich seiner Verabschiedung aus dem Amt geehrt:

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Er freute sich über einen Blumenstrauss + eine Flasche Wein. Die Vorfreude über das üppige Buffet, spendiert vom Gastgeber der Versammlung, dem Bibliographischen Institut, ist allen Anwesenden auf diesem Foto anzusehen:

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